Schulen gegen Rassismus/Sternwanderung und Kundgebung am 06.03.2020 in Eschwege

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Reden zweier Schüler

Torben Finn Lerch:
Rede: Sternwanderung für Courage & eine offene Gesellschaft (06.03.2020)
Liebe Schülerinnen und Schüler der eschweger „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“,
Wir leben in einer Zeit, in der rechtspopulistische Parolen wieder salonfähig werden.
Ein Politiker darf die NS-Zeit einen Vogelschiss nennen und kommt ungestraft davon. Er behält alle seine Ämter.
Der bayerische Ministerpräsident schimpft das Schicksal von leidenden Menschen Asyltourismus, der deutsche Innenminister sagt Migration sei die Mutter aller Probleme in diesem Land, und Menschen sterben durch rechten Terror, wie auch vor 2 Wochen in Hanau.
Und ich könnte noch jede Menge solcher populistischen Äußerungen und Taten aufzählen.
Was ich damit sagen will ist, dass sowas zwar zu einem kurzen Aufschrei führt, dann aber doch akzeptiert wird.
Doch genau das ist das Problem! Denn dadurch geben wir Rassismus und Nationalismus den Raum sich wieder auszubreiten.
Doch wenn man die Geschichte betrachtet, erkennt man, dass Nationalismus immer Leid und Ausgrenzung gebracht hat!
Rechtspopulisten brauchen immer ein Opfer.
Und so wie die Nationalsozialisten gegen Juden hetzten, so will die AFD heute „Frau Merkel jagen“.
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber solche Aussagen machen mir Angst!
Und auch, wenn uns keine Schuld für die Nazizeit trifft, so haben wir doch Verantwortung!
Deshalb machen mich Veranstaltungen, wie eben diese hier glücklich und stolz.
Stolz auf junge Menschen und mutige Menschen, die sich trauen gegen rechten Hass aufzustehen und zu zeigen, dass wir uns nicht verängstigen, und schon gar nicht unterkriegen lassen!
Jeder von euch hat die Möglichkeit sich gegen Fremdenhass und Diskriminierung zu wehren.
Und diese Veranstaltung ist ein guter Schritt in die richtige Richtung!
Vielen Dank, dass ihr alle hier seid und euch nicht unterkriegen lasst!

Rede für den Sternmarsch 06.03.2020
von Jurek Risch
Liebe Mitschüler, liebe Lehrer
eigentlich ist es traurig, dass wir uns heute hier versammeln müssen. Es ist traurig, dass die
Notwendigkeit besteht, zu zeigen, dass wir für Werte wie Toleranz, Gleichberechtigung,
Weltoffenheit und nicht zuletzt damit verbunden, Mitmenschlichkeit einstehen, wo es
doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Doch trotz dieser augenscheinlichen Selbstverständlichkeit befinden sich im Bundestag
gewählte Parteien, deren völkisch-nationaler Flügel ein Prüffall für den Verfassungsschutz ist und dessen Mitglieder Rhetorik benutzen wie man sie zuletzt im Dritten Reich unter Hitler gehört hat, ja deren Worte selbst Parteigenossen nicht von Passagen aus „Mein Kampf“ unterscheiden können.
Trotzdem werden Politiker wie Walter Lübcke, die sich gegen Rassismus engagieren,
ermordet und rechtsextreme Anschläge, auch auf Synagogen oder vor zwei Wochen in
Hanau, kosten mehr und mehr Menschenleben.
Ähnliche Entwicklungen sieht man leider auch in anderen Ländern, überall werden
Mauern, aufgrund irgendwelcher Kategorisierungen oder Unterteilungen, aufgebaut,
anstatt, dass wir sie einreißen und damit beginnen, uns endlich mal als eine Menschheit zu begreifen, die sich wohl oder übel diesen Planeten gemeinsam teilen muss.
Denn die Probleme der Zukunft sind globale Probleme, Probleme die nicht auf Kultur,
Religion, Hautfarbe oder Grenzen achten, bei denen alle kollektiv handeln müssen.
Die derzeitigen Geschehnisse sah man insbesondere im Bezug auf Populismus,
Polarisierung, Isolation und Ausgrenzung, vor hundert Jahren schon einmal in ähnlicher
Form, dabei sollte doch gerade in Deutschland die nötige Sensibilisierung vorhanden sein, um solche Muster zu erkennen.
Jetzt ist es an uns zu beweisen, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, alles andere wäre eine Schande für jeden einzelnen, der damals sein Leben gelassen hat, weil er für Demokratie und Menschenrechte eingestanden ist oder Opfer von Größenwahn und menschenverachtender Ideologie wurde.
Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das hier eine Veranstaltung von der Schule aus ist und der eine oder die andere vielleicht auch gar keine Lust auf das Ganze hat, trotzdem hoffe ich, dass ich die Bedeutung und Wichtigkeit der Situation klarmachen konnte.
Wenn ich dadurch auch nur die kleinste Veränderung, den kleinsten Denkanstoß bewirken konnte, dann war es das wert.
Denn es liegt in unserer Hand, Courage und Engagement zu zeigen!
Es liegt in unserer Hand, unsere Werte zu vertreten und sie zu schützen!
Und es liegt in unserer Hand, die Zukunft letzten Endes zu gestalten!
Vielen Dank.

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